PHYSIOTHERAPIST'S EYE: Bewegungsfunktionen des Handgelenks und die häufigsten Ursachen von Handgelenkbeschwerden.

Das Handgelenk ist ein sehr wichtiges Element, das den Unterarm mit der Hand verbindet. Es ist eines der präzisesten beweglichen Gelenke unseres Bewegungsapparates. Dank ihr haben wir eine so große Bandbreite an Manipulationsbewegungen der Hand, die im täglichen Leben notwendig sind. Nur wenige Menschen sind sich der beträchtlichen Komplexität der Struktur des Handgelenks bewusst. Je komplexer eine Struktur ist, desto wahrscheinlicher ist es natürlich, dass sie geschädigt wird und folglich Störungen entwickelt. Das gilt auch für das Handgelenk, weshalb ich Sie ermutige, das Folgende zu lesen.

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Um die Mechanik der Hand zu verstehen, muss man die Anatomie der Knochen, der Muskeln und ihrer Sehnen, der Bänder und der Nerven in dem betreffenden Bereich genauer kennen lernen. Das Handgelenk besteht aus 8 kleinen Knochen, die in zwei Reihen angeordnet sind - einer proximalen und einer distalen Reihe, die zwischen den Unterarmknochen (Speiche und Elle) und den fünf Mittelhandknochen liegen. Die proximale Reihe, vom Daumen aus gesehen, besteht aus den folgenden Knochen: Kahnbein, Lunatum, Trigeminus und Erbsenbein, während die distale Reihe aus dem großen und dem kleinen Viereck, dem Röhrenknochen bzw. dem Hakenbein gebildet wird. Diese Knochen sind durch eine Gelenkkapsel miteinander verbunden, die durch zahlreiche Bänder verstärkt wird. Vereinfacht kann man davon ausgehen, dass das Handgelenk aus den drei wichtigsten Gelenken besteht: dem Radial-Karpal-Gelenk, dem Interkondylar-Gelenk und dem Metakarpal-Karpal-Gelenk.

Im Querschnitt bilden die Handwurzelknochen den so genannten Karpaltunnel, dessen Wölbung zur Palmar-Seite der Hand gerichtet ist. In dem physiologisch bedingten kleinen Durchmesser des Karpaltunnels verlaufen unter anderem die Sehnen der Beugemuskeln der Finger und des Handgelenks sowie der Medianusnerv. Auf der Handflächenseite wird der Karpaltunnel durch eine tiefe Schicht von Beugesehnen verschlossen. Das Hauptproblem, das die Handgelenke betrifft, sind alle Arten von Verletzungen. Leider sind sie eine natürliche Folge der Ausübung vieler Sportarten, aber sie sind auch mit dem Auftreten von Stürzen verbunden. Dies geschieht, wenn das Handgelenk aufgrund des natürlichen Schutzreflexes, die Hand abzustützen, einen erheblichen Teil der Last überträgt, die sich aus dem Schwung des Aufpralls auf den Boden ergibt und die leider oft seine mechanische Festigkeit übersteigt. Die Folge sind Schäden an der Gelenkkapsel und den Bändern, in schwereren Fällen auch Brüche der Handgelenksknochen. Die Behandlung bei einer Verletzung hängt immer vom Grad der Schädigung ab und sollte von einem Physiotherapeuten unter Aufsicht eines Orthopäden durchgeführt werden.

Ein weiteres häufiges Problem bei Erwachsenen ist das so genannte Karpaltunnelsyndrom, das Schmerzen und Empfindungsstörungen meist im Bereich des Daumens, des zweiten, dritten und manchmal auch des vierten Fingers verursacht. Das Karpaltunnelsyndrom wird vor allem durch folgende Faktoren verursacht: wiederholte Verletzungen oder Brüche, Überlastung und das Vorhandensein von Entzündungen. Die direkte Ursache der Beschwerden ist eine Kompression des Medianusnervs im Karpaltunnel durch geschwollenes, entzündetes oder vernarbtes Gewebe. Der anfängliche Druck auf die Fasern des Medianusnervs führt zu einer Ernährungsstörung, die wiederum eine sekundäre Schwellung verursacht und die Schmerzen verstärkt.

Immer mehr Patienten mit dieser Krankheit sind Büroangestellte, die viel Zeit am Computer verbringen, und IT-Spezialisten. Diese Arbeit ist mit einer leichten, aber anhaltenden Anspannung der Unterarmmuskeln verbunden, deren Sehnen durch den beschriebenen Karpaltunnel verlaufen. Weitere Berufe, bei denen eine Prädisposition für den Karpaltunnel besteht, sind alle Berufe, bei denen die Hand gezwungen ist, über einen längeren Zeitraum ein Arbeitsgerät (z. B. Farbroller, Messer, Hammer) zu umklammern oder die Hand häufig abwechselnd geöffnet und geschlossen wird. Darüber hinaus gehören auch Physiotherapeuten und Masseure, die mit ihren Händen an Patienten arbeiten, zu dieser Risikogruppe.

In den frühen Stadien der Krankheit sind schmerzhafte Symptome sehr charakteristisch, die in der Regel nachts schlimmer sind und den Patienten immer wieder aufwachen lassen. Darüber hinaus klagen die Patienten im Verlauf der Krankheit über Beschwerden: taubheitsgefühl und Kribbeln in der Hand, Schwäche des Gefühls, der Kraft und der Muskelmasse, Probleme beim Ballen der Hand zur Faust und beim Halten von Gegenständen. Die Behandlung fortgeschrittener Formen des Karpaltunnelsyndroms ist schwierig, daher ist es sehr wichtig, bei den ersten Anzeichen von Symptomen einen Arzt (in der Regel einen Neurologen) aufzusuchen, ein geeignetes diagnostisches Verfahren (einschließlich eines EMG-Tests) durchzuführen und eine konservative Behandlung unter Aufsicht eines auf manuelle Therapie spezialisierten Physiotherapeuten zu beginnen.

Eine recht häufige Erkrankung im Bereich des Handgelenks ist auch die so genannte Ganglion- (lat.) oder Gallertzyste. Es handelt sich um eine erhabene und manchmal bewegliche Hautläsion in Form eines Knötchens, die sich oft schmerzhaft anfühlt und meist im dorsalen Bereich des Handgelenks auftritt. Das Ganglion ist mit einer dicken oder gallertartigen Flüssigkeit gefüllt, die sich als Entzündungsreaktion der Sehnenscheide oder des Bindegewebes der Gelenkkapsel als Reaktion auf wiederholte Traumata und Mikrotraumen bildet. Sie tritt viel häufiger bei Frauen als bei Männern auf, meist bei aktiven Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Die Diagnose wird in der Regel durch Palpation gestellt, in Zweifelsfällen ist jedoch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie erforderlich, um die Läsion von anderen Erkrankungen (z. B. Neurom, Kahnbeinnekrose) abzugrenzen. Die Behandlung besteht in der Regel aus lokaler Kompression, vorübergehender Ruhigstellung des Handgelenks, entzündungshemmender Behandlung, Punktion und, falls diese Methoden versagen, chirurgischer Entfernung der Läsion.

Autor: Dr. Dawid Bączkowicz


Artikel aus der Zeitschrift Apetyt na zdrowie Nr. 11 (Januar-Februar 2012)
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